Über Kirchen, Listen und Second-Hand-Läden
Kaum zu glauben, dass ich schon mehr als einen Monat in Großbritannien bin! Es hat sich wirklich nicht so lang angefühlt. Das FT ist vorbei, mittlerweile arbeiten wir "richtig". Dafür sind wir meistens in einer der zwei Kirchen, mit denen wir zusammenarbeiten, manches können wir aber auch von zu Hause machen (und dann ein bisschen länger schlafen ;) )
In der Revive Church helfen wir bei den Toddlers (also bei
der Mutter-Kind-Gruppe). Meistens sind wir einfach nur da und bringen Spielzeug
wieder dahin zurück, wo es hingehört, aber wir haben auch schon einmal mit den
Kindern gebastelt (wahre Meisterwerke, selbstverständlich).
Am Sonntagmorgen im Gottesdienst ist immer einer von uns bei
den „Allstars“, also bei den Kindern, und einer bei der Jugend. Bisher haben
wir da noch nicht so viel gemacht außer eben auch da zu sein, aber langsam wird
es mehr.
Zum Mittagessen sind wir eigentlich immer bei jemandem aus
der Revive Church zum Essen, das ist immer richtig nett. Meistens gibt es
„Sunday Roast“, das traditionelle Sonntagsessen. Das heißt, dass es Gemüse
gibt, eine Sorte Fleisch und Gravy, eine besondere Soße. Ist richtig lecker,
deshalb hab ich kein Problem damit, das jeden Sonntag zu essen.
Außerdem sind wir in der Revive Church im Moment immer Montagabend
im Alpha Kurs und am Dienstag im Prayer Meeting oder in einem Hauskreis. Beim
Foundational Training mussten wir eine 5-Minuten-Andacht vorbereiten. Wir haben
unseren Pastoren in der Revive Church davon erzählt, dann mussten wir die Andachten
doch glatt noch mal im Prayer Meeting halten. Wir waren super nervös, aber es
war richtig gut :)
In der anderen Kirche, der New Life Christian Church (NLCC),
sind wir immer am Mittwochnachmittag und am Donnerstag. Mittwochs helfen wir
bei der Babygruppe mit, den Müttern Getränke zu bringen, manchmal auch beim
Auf- und Abbau. Und später am Nachmittag nutzt eine Tanzschule die Räume der
Kirche, manchmal verkaufen wir dann Süßigkeiten und Getränke. Ich weiß jetzt,
welche Münze welche ist, yay! Die sind nämlich irgendwie ein bisschen verwirrend.
Ansonsten planen wir Kindergottesdienststunden bis Dezember,
weil die NLCC gerne einen Kindergottesdienst ins Leben rufen möchte. Das machen
wir auch am Donnerstag. Im Moment sind wir damit beschäftigt, alles in
detaillierte Ablaufpläne einzutragen und Risk Assessments auszufüllen. Risk
Assessments sind Listen, in die man einträgt, was alles passieren könnte, wie
hoch die Gefahr ist und wie wahrscheinlich und was man gegen die Gefahr zu tun
gedenkt. Das ist jetzt nicht direkt meine Lieblingsbeschäftigung, aber es ist
ganz gut, wenn man sich darüber mal Gedanken gemacht hat.
Es ist aber echt cool, am Entstehungsprozess eines Projektes
beteiligt zu sein und seine eigenen Ideen einzubringen und es macht richtig
Spaß, sich die einzelnen Stunden zu überlegen.
Am Sonntag sind wir auch in der NLCC, weil dort nachmittags
Gottesdienst ist, können wir zu beiden Kirchen gehen. Wir helfen dann immer
mit, die Stühle zu stellen und nach dem Gottesdienst machen wir was mit der
Jugend, zum Beispiel Tischtennis oder Pool spielen. Und bald werden wir eben
auch den Kindergottesdienst machen.
Freitag abends sind wir noch in einer dritten Kirche, der River Church, und helfen bei der Jugend dort mit. Ich weiß nicht genau, ob wir nur für ein paar Wochen da sind, um uns das mal anzuschauen, oder ob wir länger dableiben, aber es ist immer richtig cool dort.
Abgesehen von der Kirche helfen wir noch bei den Assemblies
in einer Schule mit. Ein Assembly ist eine Veranstaltung, zu der entweder die
ganze Schule oder ein Jahrgang kommt und ist immer um die zehn bis fünfzehn
Minuten lang. Die Schuluniformen sind immer noch ein bisschen ungewohnt. Aber
die Kinder sind richtig süß. Es ist eine Primary School, also erste bis sechste
Klasse. Einmal haben wir die Geschichte von den zehn Aussätzigen erzählt und
dafür zwei Kinder zehn andere Kinder in Klopapier einwickeln lassen, das war zumindest
für uns sehr lustig (und ich glaube die Kinder fanden es auch gut). Und auf dem Bild erklären wir gerade die Emojis und Bewegungen zu einem Bibelvers, damit man sich ihn besser merken kann. Hat funktioniert, ich weiß ihn immer noch :)
Es gibt übrigens wirklich einen Grund zum Danken: Wir haben dafür gebetet, dass wir noch in andere Schulen gehen können. Dann hat uns zuerst eine Frau, die in der NLCC arbeitet erzählt, dass sie, als sie ihre Töchter von der Schule abgeholt hat, noch ihr Kirchen-T-Shirt anhatte. Die Direktorin hat das gesehen, ist ihr nachgelaufen und hat sie gefragt, ob sie bei einer Kirche arbeitet. Als sie ja gesagt hat, hat die Direktorin sofort nachgefragt, ob die Kirche denn auch Assemblies mache. Sie meinte ja und hat der Direktorin auch von uns erzählt. Die war begeistert und vielleicht können wir jetzt bald auch was in dieser Schule machen :) Die Schule ist eine walisische Schule und normalerweise muss dort alles auf walisisch sein, aber wir dürften englische Assemblies machen (alles andere würde sich auch etwas schwierig gestalten…).
Und diese Woche haben wir erfahren, dass wir im November
dann auch Assemblies in der Primary School in Newbridge machen dürfen, die
bisher wegen Corona niemanden reingelassen hat.
Unsere Gebete wurden also wirklich erhört!
Fast jeden Morgen machen wir zu zweit Haverim, das ist die Bibellese-Methode bei Pais. Es ist wirklich interessant zu hören, was Maje über Bibelstellen denkt oder zusammen Hintergrundinformationen zu suchen (zumindest, wenn wir was finden). Einmal sind wir dafür in ein Café hier Newbridge gegangen, was echt cool war.
Aber natürlich sind wir nicht immer nur am Arbeiten. Samstags haben wir frei, da waren wir bisher einmal in Blackwood shoppen, das ist eine kleine Stadt hier in der Nähe, in der es netterweise fünf Second-Hand-Läden gibt. Außerdem haben wir einen Kuchen gebacken (was überraschend gut funktioniert hat) und waren im Kino. Außerdem waren wir einmal mit der Jugend von der Revive Church bowlen und ich bin ein bisschen in Newbridge rumgelaufen.
Alles in allem gefällt es mir richtig gut. Die Menschen sind echt super nett, das Wetter bisher richtig gut und mit den meisten Aufgaben komme ich gut klar, auch wenn sie fast alle neu für mich sind. Ach ja, und ich habe mich in der Bibliothek angemeldet. Das Leben ist schön ;)
Ihr könnt sehr gerne dafür beten, dass wir alle unsere Aufgaben
so gut wie möglich schaffen, dass wir gute Beziehungen zu den Kindern und
Jugendlichen aufbauen können, mit denen wir arbeiten. Ach ja, und dass unsere
neuen Gastfamilien genauso nett sind wie unsere jetzige. Ende Oktober ziehen
wir nämlich um. Wir wissen noch nicht wohin, aber wir sind dann auf jeden Fall
nicht mehr zusammen.
Bis zum nächsten Update :)
Deborah








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