Über Videos, Christmas Jumpers und Pinatas

Meine Arbeit in Großbritannien ist für dieses Jahr zu Ende – es waren wirklich ereignisreiche drei Monate.

Und zum Glück sind auch alle Weihnachtsprojekte jetzt vorbei. Es hat zwar wirklich Spaß gemacht, aber zum Schluss war es jetzt doch ganz schön stressig.

Wir hatten sowohl in der Revive Church als auch in der NLCC ein Krippenspiel. In der Revive Church haben wir dabei nicht wirklich mitgeholfen, aber wir haben mit der Jugend ein Video für diesen Gottesdienst aufgenommen. Darin haben wir den Text von „Oh Tannenbaum“ umgeschrieben. Wir haben Text sowohl kirchenspezifische Weihnachtstraditionen einbezogen als auch allgemein britische. Da wir in der Jugend auch ein Mädchen aus der Slowakei und zwei Jugendliche aus der Ukraine haben, sind wir auch auf deren Weihnachtstraditionen eingegangen. In der Slowakei ist es gar nicht so anders, aber im Gegensatz zu Großbritannien kommt dort wie in Deutschland der Nikolaus. In der Ukraine dagegen wird am Ende des Jahres nur das neue Jahr gefeiert, anstelle des Weihnachtsbaumes gibt es einen Neujahrsbaum und Weihnachten wird dann am 7. Januar gefeiert. Spannend, oder? Aber das Ganze auf Englisch passend auf ein Lied als Text aufzuschreiben, der sich auch noch reimt, war wirklich eine Challenge. Das Video ist aber wirklich gut geworden, auch wenn es ein ganz schöner Akt war, endlich alles zusammenzubekommen. Und ich mir beim Schneiden des Videos am Computer im ungeheizten Saal fast meine armen Finger abgefroren habe…

In der NLCC gab es kein traditionelles Krippenspiel, sondern eine Pop-Up Nativity. Dafür sind keine Proben nötig. Es kann sich einfach jedes Kind verkleiden als was es will, es gibt einen Erzähler und alle Marias und Josephs, alle Engel, alle Hirten usw. werden dann jeweils an bestimmten Stellen im Stück auf die Bühne gerufen. Wir haben dafür Ideen gesammelt, Kostüme sortiert, ein Lied begleitet und für alle vorne die Aktionen vorgemacht, die das ganze Publikum machen musste (z.B. beim Wort „shepherds“ nach vorne beugen und „Määäh“ rufen). Es war ein bisschen chaotisch, aber richtig lustig.

Mit der Jugend in der Revive Church hatten wir unser Weihnachtsspecial – ein Krimidinner. Wir hatten richtig viel Spaß dabei und auch an den Schauspielkünsten einiger besonders talentierter Teilnehmer. (Und es hat sich herausgestellt, dass Santa Claus´ Tochter an seinem Verschwinden Schuld war, weil sie das Business übernehmen wollte – schockierend!)

Sowohl die Mutter-Kind-Gruppe in der Revive Church als auch die Gruppen in der NLCC hatten eine Weihnachtsparty, bei der wir auch dabei waren. Kleinkinder in Kostümen sind süß und Lebkuchenmänner dekorieren macht Spaß. Aber es ist auch faszinierend, wie viel Chaos Kinder verursachen können…


Wir waren auch zu einer weiteren Party eingeladen, dieses Mal aber ohne Kleinkinder. Ein Mädchen aus der Jugend in der River Church hat uns zu einer Mexican Night eingeladen, und es war richtig cool. Das Essen war super, und die Piñata verhauen hat echt Spaß gemacht (auch wenn sie mir doch ein kleines bisschen leid tat). Und vor allem war es richtig toll, sich mit den anderen zu unterhalten, weil es entspannter war als bei der Jugend (auch wenn das immer richtig nett ist) und ich sonst nicht so oft was mit Leuten in meinem Alter machen kann.

Apropos feiern und Weihnachten - was wir in Deutschland auf jeden Fall übernehmen sollten, sind Christmas Jumper. In Großbritannien sind Weihnachtspullis ein ganz großes Ding. So gut wie jeder hat einen und die Hälfte trägt ihn dann auch zu so ziemlich jeder Veranstaltung im Dezember. Find ich gut. Ich habe mir auch zwei Christmas Jumper organisiert (im Charity Shop, versteht sich) und werde sie auf jeden Fall nächstes Jahr wieder rausholen.

Um auch anderen an Weihnachten eine Freude zu machen, haben wir in der NLCC geholfen, Weihnachtskarten für Abercarn zu schreiben. Diese werden jedes Jahr im ganzen Ort verteilt. Ich glaube, dieses Jahr waren es am Ende so um die 600 oder 650 Karten. Den direkten Nachbarn haben wir ein kleines Geschenk vorbeigebracht.

In meiner freien Zeit war ich unter anderem in Cardiff. Zug fahren hat dieses eine Mal richtig Spaß gemacht - der Zugführer (oder wer auch immer die nächste Station angesagt hat) hatte nämlich sehr gute Laune und hat die nächste Station jedes Mal gesungen. Fall ihr mich mal seht – ich kann euch das Video zeigen ;) Der Weihnachtsmarkt in Cardiff kann es zwar nicht mit deutschen Weihnachtsmärkten aufnehmen, ist aber trotzdem schön.

Deutsche Weihnachtsmärkte sind in Großbritannien richtig berühmt, es gibt dort „German Markets“ und manche Leute kommen extra für die Weihnachtsmärkte nach Deutschland!

Ansonsten bin ich in Cardiff ein bisschen mehr oder weniger planlos durch die Gegend gelatscht, habe eine Graduation gesehen (ich wollte schon immer mal sehen, wie alle ihre „Mortarboards“ in die Luft werfen) und den Hut für wahre Dickköpfe gefunden.


Es war ein richtig schöner Tag, ich glaube, ich sollte öfter mal planlos allein in Städten rumlaufen.

Ein bisschen über Geschichte habe ich auch gelernt. Zwei Frauen aus der Kirche haben uns mit nach „Sant Fagans“ genommen, eine Art Museum über walisische Geschichte, aber wirklich cool. Es wurden Gebäude aus unterschiedlichen Jahrhunderten aus ganz Wales geholt und nach Sant Fagans gebracht, und man kann überall reingehen, sich die Möbel und so anschauen und es ist richtig interessant. Man könnte dort wirklich einen ganzen Tag verbringen, teilweise sind die Strecken zwischen den Gebäuden auch ganz schön lang.

Hier waren wir in ein paar richtig coolen alten Läden.



Und heute bin ich dann für den Rest des Jahres nach Hause geflogen, im Moment sitze ich im Zug von Berlin nach Chemnitz. (Ja, der BER existiert wirklich! Ich kann es bestätigen!) Ich freue mich richtig auf die Pause und auch darauf, mal für zwei Wochen nicht immer die gleichen Leute zu sehen, wenn ich ehrlich bin. Und ich freue mich auf den Schnee, davon bekommt in Wales nämlich wohl nicht so viel.

Für nächstes Jahr haben wir die Hoffnung, dass wir noch mehr in unterschiedliche Schulen gehen können. Eine Frau, die in der NLCC arbeitet, hat uns erzählt, dass sie beim Schwimmunterricht ihrer Töchter ins Gespräch mit einer anderen Frau gekommen ist. Es hat sich herausgestellt, dass sie Lehrerin in einer walisischen Schule ist. Sie haben auch über die Kirche und so gesprochen, und die Frau hat angeboten, dass wir Assemblies in dieser Schule machen können, mit der ganzen Schule oder einzelnen Jahrgangsstufen. Wir könnten sogar eine einzelne Klasse bekommen und dort eine Unterrichtsstunde machen. Die Frau, die in der NLCC arbeitet, hat uns auch erzählt, dass sie ein bisschen ihre Angst überwinden müssen habe, um mit ihren Töchtern zum Schwimmunterricht zu gehen, weil sei kein großer Fan von Wasser sei. Sie habe zu Gott gesagt, dass er doch bitte etwas Gutes daraus machen solle. Ich würde sagen, ihr Gebet wurde erhört :) Jetzt hoffe ich nur, dass es mit dieser Schule auch wirklich klappt. Ihr könnt sehr gern dafür beten.

Außerdem wollen wir nächstes Jahr mit einem monatlichen Youth Special anfangen, um mehr Zeit mit den Jugendlichen in der Revive Church verbringen zu können. Ihr könnt sehr gern auch dafür beten :)

Herzlichen Glückwunsch, ihr habt das Ende erreicht. Ich konnte mich eben noch nie kurzfassen…

Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr! Schon 2023… Seltsam.

Deborah             

 

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