Über Highlands, Belfast und Cookie Dough
Ihr wollt wissen, wie es dazu kam, dass ich ganz spontan mit Schottland und Irland meine Erkundung jedes Landes in Großbritannien vervollständigt habe? Herzlichen Glückwunsch! Dann seid ihr hier genau richtig.
Meine Sommerpause kam ganz anders als erwartet. Leider
konnte ich nicht nach Hause, weil die Verlängerung meines Visums dafür zu spät
kam (man darf das Land nicht verlassen, so lange man noch nicht Bescheid
bekommen hat).
Drei Wochen nach unserer Graduation war ich deshalb erst mal
für eine Woche in den schottischen Highlands campen. Ich muss schon sagen: die
Highlands im Sonnenuntergang sind sehr schön. Kann ich weiterempfehlen, trotz
des teilweise etwas gewöhnungsbedürftigen Wetters. Außerdem, wie uns ein
Einheimischer so schön erklärt hat: wenn einem das Wetter in Schottland nicht
gefällt, muss man einfach nur eine Minute warten.
Aber wie bin ich den Highlands geendet? Da ich ja nicht nach
Hause konnte, habe ich bei Pais nachgefragt, wo ich jetzt hin soll. Ich hatte
eigentlich damit gerechnet, schon nach Belfast zu meinem neuen Wirkungsort zu
gehen, aber Pais wurde gebeten, das Programm für die Jugendlichen auf dem
Refuel Festival in Schottland zu übernehmen. Deshalb saß ich dann ein paar Tage
später in einem sehr vollen Auto auf dem Weg in die Highlands (ich weiß jetzt,
wie sich Sardinen fühlen).
Es hat sich aber definitiv gelohnt – schon wegen der Gemeinschaft mit den anderen Paislern (sehr unterhaltsame Gespräche am Essenstisch, komisches Tanzen beim Karaoke, Gebet- und Lobpreisabende zusammen,...) Und ich habe auch noch nie fast neben einem Schloss gezelten. Beziehungsweise zu geglampt, netterweise haben wir als Mitarbeiter nämlich Tipis zur Verfügung gestellt bekommen.
Unser Tipi - hier noch ohne Luftmatratzen und Gepäck :)
Es war aber auch richtig cool, die Jugendlichen kennenzulernen, Spiele zu spielen, zusammen Lobpreis zu machen und sie aus sich herauskommen zu sehen. Und auch zu sehen, wie Gott wirkt – manche der Jugendlichen waren am letzten Tag total verändert.
Nach dem Festival bin ich ein paar Tage bei unseren
Nationaldirektoren geblieben und dann nach Belfast geflogen.
Ich konnte schon die zwei Kirchen, in denen wir arbeiten,
ein bisschen kennenlernen (Braniel Community Church (BCC) und Tullycarnet
Church) und Belfast erkunden.
Beide Kirchen sind nicht sehr groß, aber die Leute sind echt
cool. In der BCC sind hauptsächlich ältere
Menschen und Familien.
Tullycarnet Church ist noch sehr jung (ein Jahr oder so),
hat viele Leute zwischen 25 und 30, die – ungewöhnlicherweise – mehr Männer als
Frauen sind.
Da ich aber schon vor Ort war, wurde ich trotz Sommerpause
schon im Lobpreis eingespannt. War aber nicht weiter schlimm.
In Tullycarnet Church durften wir beim Summer Scheme
mithelfen (so eine Art Sommerlager für Kinder, aber sie werden jeden Tag wieder
abgeholt). Morgens haben wir Spiele gespielt, Lieder gesungen, den Kindern den
nächsten Teil von Moses Geschichte erzählt und gebastelt.
In der Mittagspause konnten wir dann durchatmen und uns
mental auf unsere nachmittägliche Exkursion vorbereiten. Zum Glück haben die
Eltern ihre Kinder fast immer vorbeigebracht und wir mussten nur einmal
tatsächlich mit den Kindern zum Ort des Geschehens fahren. Es ist nämlich gar
nicht mal so einfach, kein Kind zu verlieren, besonders, wenn sie es drauf
anlegen… Ich dachte immer, die Lehrer hätten auf Exkursionen auch total Spaß gehabt,
aber irgendwie bin ich mir da nicht mehr so sicher. Also Spaß macht es schon,
aber es ist auch deutlich anstrengender, wenn man für die ganzen Rabauken
verantwortlich ist.
Am Montag waren wir im „Indianaland“, einem
Indoor-Spielplatz. Nachdem wir gefragt haben, wurde uns als Leitern auch
gestattet, mit reinzugehen, obwohl wir eigentlich zu groß waren. Ich meinen
Nachmittag dann damit verbracht, Rutschen auszuprobieren, durch Tunnel zu
krabbeln und mich von einer Sechsjährigen herumkommandieren zu lassen. Hat aber
echt Spaß gemacht, ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal in einen
Indoor-Spielplatz gehen kann.
Am Dienstag haben wir versucht, „Ninja Turtles“ im Kino
anzuschauen. Beziehungsweise haben die meisten Kinder den Film tatsächlich
angeschaut, bei uns Leitern lag die Betonung aber eher auf „versucht“. Das war
überraschenderweise noch anstrengender als Indianaland. Erst einmal hat der
Junge neben mir den gesamten Film erklärt. Z.B. wurden die Turtles gezeigt,
bevor sie mutiert sind – ohne „das sind die Ninja Turtles!“ hätte ich das nie
verstanden. Außerdem musste alle zwei Minuten jemand aufs Klo, wollte eine
Sitzerhöhung haben oder eine Sitzerhöhung in einer Farbe. Und wir konnten die
Kinder natürlich nicht allein gehen lassen (wir erinnern uns – manche Kinder
wollen anscheinend gerne abhandenkommen). Zum Glück war die Handlung des Films
nicht sehr anspruchsvoll, ansonsten hätte ich doch noch meinen kleinen Freund
zum Erklären gebraucht - ich habe gefühlt mehr Zeit wartend auf dem Klo
verbracht als im Kinosaal selbst. Aber wir haben es überlebt (und so weit ich
weiß alle Kinder wieder zurückgegeben).
Tag Nummer drei: alle Kinder in einen Bus verfrachten und zu
„Vertigo“ fahren – eine Art Riesen-Indoor-Hüpfburg. Ich war komplett platt,
deshalb war ich glücklich, dass nur die Kinder reingegangen sind. Wir Leiter
saßen auf dem Balkon im Café, haben uns an Schoko-Muffins und Popcorn gütlich
getan und die Kinder beobachtet. Ein bisschen wie im Zoo. Sehr entspannend.
Und das Ganze hat sich definitiv gelohnt: Am Mittwoch haben
drei Kinder ihr Leben Jesus gegeben!
Den Rest der Woche konnten wir dann kurz durchschnaufen, am
Samstagabend ging es dann schon wieder los zum Foundational Training mit Pais.
Wir wollten auf dem Flughafen schlafen, weil unser Flug Sonntagmorgen ging und
mitten in der Nacht fahren in Belfast nicht so viele Busse. Alles in allem kann
ich die Erfahrung nicht weiterempfehlen. Schlaft zu Hause, wenn ihr könnt.
Unsere weitere Anreise war etwas holprig, aber
schlussendlich sind wir dann doch noch angekommen.
Das Foundational Training selbst war richtig gut. Angefangen
damit, dass wir diese Jahr nicht auf dem Kirchenboden schlafen mussten, sondern
richtige Betten hatten. Und richtige Duschen!
Außerdem haben unsere Nationaldirektoren beschlossen, dieses
Mal das Abendessen zu stellen (letztes Jahr mussten wir uns das selbst
organisieren) – obwohl Pais eigentlich nicht die finanziellen Mittel dafür hat.
Und Gott hat uns wirklich versorgt. Wir haben so viele Spenden bekommen, dass
Pais nicht viel bezahlen musste. Und wisst ihr, was noch cooler war? An einem
Tag hat jemand erwähnt, dass Bacon mit der Suppe ganz nice gewesen wäre – an
dem Abend haben wir 7kg Bacon gespendet bekommen. Andere haben sich Steak
gewünscht, Pilze oder Hähnchen ohne Knochen – haben wir alles gespendet bekommen.
Genauso wie den Cookie Dough, von dem wir meinten, dass er ganz nice wäre. Ohne
jemanden danach gefragt zu haben. Ich habe aus Spaß für Schoko-Eis gebetet –
ratet mal, was es zu unserer Girls Night gab :)
Es war auch ein Geschenk, so viele tolle neue Leute
kennenzulernen. Mit den meisten habe ich mich auf Anhieb gut verstanden. Dieses
Jahr haben wir Leute aus ganz vielen unterschiedlichen Ländern dabei –
Südafrika, Simbabwe, Sambia, Indien, Malaysia, Kamerun,… Total spannend, so
viele unterschiedliche Kulturen auf einem Haufen.
Inhaltlich war das Training war ähnlich wie letztes Jahr
(logischerweise), aber ich fühle mich trotzdem jetzt noch mal besser
vorbereitet. Ich hatte die Möglichkeit, auch eine der Sessions zu halten und
hatte ziemlich Spaß dabei. Außerdem habe ich beim Lobpreisteam mitgemacht.
Hier ein paar Eindrücke:
Meine deutschen Kumpane und ich
Ich freue mich schon total auf dieses Jahr, vor allem, weil ich jetzt schon ein bisschen mehr über meine neuen Aufgaben weiß - es ist ähnlich wie letztes Jahr, aber trotzdem irgendwie ganz anders und ich freue mich so sehr, dass ich neue Sachen ausprobieren, mit anderen Altersgruppen arbeiten und neue Projekte starten kann. Aber mehr darüber im nächsten Post, sonst wird das hier zu lang :)
Bis zum nächsten Mal, habt eine gesegnete Zeit!
Deborah
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